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"Arbeitsphase" in Oberwesel

Burg Schönburg (Foto: MBO)
Burg Schönburg (Foto: MBO)

Jedes Jahr an Pfingsten fahren alle Musiker des MBO ins Orchesterwochenende, oder wie sich unser musikalischer Leiter gerne ausdrückt: zur Arbeitsphase.

In konzentrierter Atmosphäre verbringen wir vier Tage in einer Jugendherberge und bereiten unser Jahreskonzert vor. 2018 ist unser Ziel Oberwesel am Rhein, dessen Jugendherberge hoch über der Stadt liegt. Aus meinem Dachfenster habe ich einen überwältigenden Blick auf Burg Schönburg, eine Höhenburg aus dem 12. Jahrhundert.


Nach unserer Anreise am Freitag Nachmittag laden wir die Autos aus, bauen das Schlagwerk auf und beziehen die Zimmer. Zu diesem Zeitpunkt (genau eine Woche vorm Jahreskonzert) stoßen auch die Gastmusiker zu uns, erneut uns wohlbekannte Gesichter. Nach dem Abendessen versammeln wir uns zur ersten Probe im großen Saal. Am Samstagvormittag finden Registerproben statt. Wir verteilen uns gruppenweise in der Jugendherberge. Die Lehrer gehen mit uns knifflige Stellen durch. Die Gruppen sind klein und wir arbeiten konzentriert. Nach und nach werden wir sicherer. Ich merke, wie Angststellen einfacher werden. Nach dem Mittagessen können wir das Erlernte im großen Kreis unter Beweis stellen. Es klingt immer besser. 

Registerproben (Fotos: MBO)


Blick auf den Dirigenten (Foto: MBO)
Blick auf den Dirigenten (Foto: MBO)

Wir proben bis in den frühen Abend hinein weiter. Es macht Spaß, dass nun auch das komplette Schlagwerk dabei ist und auch die Gastmusiker unseren Klang unterstützen. Manchmal bekomme ich sogar eine Gänsehaut, wenn eine Stelle jetzt mit Leben gefüllt ist, die in den Montagsproben in Oppau noch stumme Pause war oder von Dominique in Ermangelung des Instruments gepfiffen wurde. Am Abend sitzen wir gemütlich zusammen. In der Halle wird das Pokalendspiel im Fernsehen übertragen, aber viele ziehen es vor, mit einer Tasse Kaffee oder einem Eis im Hof zu sitzen und den lauen Abend zu genießen. 


Man merkt, wie die Gruppe zusammenwächst. Das ist bei jedem Orchesterwochenende so gewesen und genau das macht unter anderem den Reiz dieser vier Tage aus. Die Probezeit vergeht wie im Flug. Am Nachmittag vertreten wir uns ein wenig die Beine und viele besichtigen Burg Schönburg. Einige zieht es auch hinunter nach Oberwesel. An diesem Wochenende findet dort ein Mittelaltermarkt statt.  Auch am Sonntag arbeiten wir uns Stück um Stück durch unser  gesamtes Konzertprogramm. Das Oberstufenstück Tirol 1809 ist dabei unser Schwerpunkt. 

Tuttiprobe (Foto: MBO)
Tuttiprobe (Foto: MBO)

Gruppenfoto (Foto: MBO)
Gruppenfoto (Foto: MBO)

Der letzte Satz bereitet mir große Schwierigkeiten, aber die „Arbeitsphase Oberwesel“ zeigt Erfolge: ich kann auf einmal mithalten. Die komplizierten Läufe funktionieren und das mit einer Sicherheit und Geschwindigkeit, die ich vorher nicht für möglich gehalten hätte. Dieses Phänomen ist ebenfalls nicht neu. Nach jedem Orchesterwochenende habe ich das Gefühl, am Instrument sicherer und besser geworden zu sein. Den anderen scheint es ähnlich zu gehen. Wir bleiben nach Probeeinheiten im Saal zusammen sitzen und üben an schwierigen Stellen gemeinsam weiter. 


Manche Sitzung entwickelt sich dabei zu lockeren Jam-Sessions weiter. Es wird viel gelacht und die Stimmung ist prächtig. Kurz vor der Abreise am Montag werden noch Registerfotos und das obligatorische Gruppenfoto geknipst. Danach heißt es dann: Auf Wiedersehen, Oberwesel. Es war schön. In einer Woche sehen wir uns beim Jahreskonzert! 

Text: Sabine Köstlmaier